GÄHNEN
Eicheln

Von Datenhamstern und anderen Rechnungswesen

Was bringt es für das Phäno­men Gähnen, dass ich mich als Daten­hams­ter betä­tige? Nun, da ich schon über 300 Daten­sätze in meiner Daten­bank habe, ist es Zeit gewor­den, die Ansamm­lung einer ersten Begut­ach­tung zu unter­zie­hen. Dazu mache ich mich schlau im Abfra­gen von Daten­ban­ken mit MySQL, frische meine Kinder­gar­ten-Statis­tik­kennt­nisse auf und besinne mich auf den Kern meiner Forschungs­fra­gen.

Beim Eicheln aufle­sen im Garten – einer Arbeit, die ich schon im letz­ten Herbst hätte erle­di­gen sollen – hatte ich Zeit und Musse, darüber nach­zu­sin­nie­ren, was 1000 Stück von etwas bedeu­ten können. Bei den Eicheln ist das vor allem Stress, denn mein Garten ist immer noch nicht aufge­räumt, die Sonne scheint schon warm und bald möch­ten die ersten Früh­lings­blu­men hervor­kom­men und sich entfal­ten. Ande­rer­seits ist es mir immer ein Erleb­nis, wahr­zu­neh­men, wie das Laub raschelt, wie die Erde nach Erde duftet und die Eicheln in den Händen klin­gen, je nach­dem ob sie nass oder trocken sind, hohl oder schwer. Und das Stau­nen darüber, dass meine riesige Zwil­lings­ei­che auch einmal nichts als eine kleine Eichel war (oder viel­leicht zwei?).

Eiche im Februar

Diese 1000 Eicheln, die ich nun aufräume, bedeu­ten Ernte­reich­tum im Über­fluss und ich weiss das über­haupt nicht zu schät­zen – für mich bedeu­tet es bloss Arbeit. Leider habe ich keine Wild­schweine, Eich­hörn­chen oder Dachse zu Besuch, die sich an diesem Buffet voll­fres­sen könn­ten. Was kann ich aus dieser Situa­tion lernen? Was haben die 1000 Eicheln mit meinen Daten­sät­zen zu tun, ausser dass ich gerne 1000 Daten­sätze für die Auswer­tung hätte? Der Lern­ge­winn ist viel­leicht dies: Wenn es zu viel ist, kann eine Entschei­dung helfen. Eine Auswahl. Das Fokus­sie­ren auf das wirk­lich Wich­tige. Das heisst für mich: Weiter fleis­sig Eicheln aufsam­meln im Garten und mich dabei auf meine Forschungs­fra­gen zum Gähnen besin­nen, mich nicht blen­den lassen von der über­wäl­ti­gen­den Daten­reich­tums­flut.

Gültig oder ungültig?

Nicht alle Daten­sätze, die in meinem Pool landen, sind gültig. Gültige Daten­sätze sind Frage­bo­gen, die bis zur letz­ten Seite ausge­füllt und mir voll­stän­dig über­mit­telt wurden. 810% aller Bögen sind aus irgend einem Grund ungül­tig. Warum das so ist, kann ich oft nicht beur­tei­len, es sei denn, die Person schreibt eine Bemer­kung oder kontak­tiert mich direkt wegen eines tech­ni­schen Problems (welches ich dann trotz­dem nicht lösen kann). Viele Ausstei­ger haben wohl auch einfach mal rein­ge­schaut und es dann doch sein gelas­sen, denn die Ausstiege treten gehäuft auf den ersten paar Seiten auf. Viel­leicht gibt es irgendwo eine Frage, die viele Abbrü­che verur­sacht, wissen kann ich das momen­tan nicht. Wenn Sie dazu etwas zu sagen haben, nutzen Sie das Formu­lar am Ende der Seite um einen Kommen­tar zu verfas­sen – vielen Dank für Ihre wert­vol­len Hinweise!

Datenhamster sind unersättlich

1000 gültige Daten­sätze zu haben für die Auswer­tung ist das Ziel, das ich mir gesetzt habe. Warum 1000? 1000 ist doch einfach eine coole Zahl. Nun sind es bis heute aber erst­mal 328 gültige Frage­bo­gen: Immer­hin, 328 Perso­nen haben ihr persön­li­ches Erle­ben von Gähnen (mit-)geteilt. Es müss­ten 60% oder mehr von diesen während der Umfrage gegähnt haben, denn das ist der ander­wei­tig unter­suchte Anste­ckungs­grad fürs Gähnen durch Hören, Sehen, Beob­ach­ten oder Lesen darüber (Platek 2010, S. 107). Ob das auch bei meinen Umfra­ge­teil­neh­me­rin­nen und ‑teil­neh­mern zutrifft, erfah­ren Sie im nächs­ten News­let­ter, der am 28. Februar erscheint. (Jetzt abon­nie­ren)

Auch eindrück­lich: Bisher haben sich 328 Perso­nen ca. 10 Minu­ten Zeit genom­men um sich im Rahmen von Gähnen und meiner Umfrage mit einem Aspekt ihres persön­li­chen Erle­bens, ihrer persön­li­chen Wahr­neh­mung zu beschäf­ti­gen – das ergibt kumu­liert gut 54 Stun­den aufmerk­same Selbst­wahr­neh­mung! Reicht das schon, um mich selber als Gähn­flu­en­ce­rin zu bezeich­nen?

Tun – und dabei lernen

Lear­ning by doing: Vieles zu meiner Umfrage wird mir tagtäg­lich klar, würde ich das nächste Mal auf jeden Fall anders machen. Hätte ich das nur schon vorher gewusst, gemerkt, über­legt ... Besser. Einfa­cher. Wirk­sa­mer. Weni­ger = mehr. Aber nun ist es so, wie es ist und ich kann es nicht mehr ändern, sondern nur versu­chen, aus dem, was ist, das Beste zu machen. Das ist ja an sich auch keine schlechte Arbeits­hal­tung. Bewahrt mich das Reflek­tie­ren meiner Anfän­ger­feh­ler vor Dilet­tan­tis­mus? Viel­leicht nicht, aber wenn ich den Heraus­for­de­run­gen als Anfän­ge­rin begegne, bewahre ich mir das Stau­nen und erlebe Freude im Wach­sen und in der Entwick­lung meiner Fähig­kei­ten.

Warum gähnen wir?

Das weiss bekannt­lich die Forschung bis heute nicht eindeu­tig, denn das Gähnen ist ein viel zu komple­xes Phäno­men um es auf einen einfa­chen immer gülti­gen Nenner zu brin­gen. Wie kann ich mit dieser Unge­wiss­heit umge­hen? Indem ich mich auf mich und meine eigene Wahr­neh­mung besinne und erst­mal glaube und wert­schätze, was ich persön­lich erlebe! Genau solche Infor­ma­tio­nen können auch gesam­melt und ausge­wer­tet werden. Mein Daten­pool wird also nicht eine abschlies­sende Antwort auf die Frage, warum wir gähnen, liefern können. Das erwarte ich auch nicht. Was mich inter­es­siert ist viel­mehr, in welcher Form die Teil­neh­men­den ihr eige­nes Erle­ben teilen mögen, wie sie es (ein-)schätzen und mit welchem Voka­bu­lar darüber kommu­ni­ziert wird.

Soll­ten Sie den Frage­bo­gen selbst noch gar nicht ausge­füllt haben, können Sie hier teil­neh­men. Wenn Sie zu denen gehö­ren, die den Link oder den Flyer fleis­sig weiter­ge­ge­ben haben, bedanke ich mich recht herz­lich – ich verlinke im Danke­schön-Kasten gerne auf Ihre Webseite. (Zum Formu­lar für die Verlin­kung) Die Umfrage läuft weiter ... bis 1000 ist noch ein langer Weg und ich bin dank­bar für jede Unter­stüt­zung!

Haben Sie eine Frage zum persön­li­chen Erle­ben von Gähnen, die Sie meinem Daten­pool gerne stel­len möch­ten? Haben Sie sonst eine Bemer­kung oder Anre­gung, die Sie gerne teilen würden mit der Gähn­com­mu­nity? Verfas­sen Sie einen Kommen­tar (siehe Formu­lar am Ende der Seite).

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