Gähnen und Sinnlichkeit

Quellen aus Literatur und Kunst belegen: Gähnen ist ein erotisches Kommunikationsmittel. Das Erleben von Gähnen entfaltet sich uns in der zur Verfügung stehenden Sinnlichkeit. Kann Gähnen unsere Sinne aktivieren und uns mehr Lebensqualität und Genuss schenken? Die Resultate aus der Umfrage zum Gähnen zeigen: Gähnen polarisiert. Das Erleben ist lustvoll, stärkt Wohlbefinden und Selbstregulation. Im Beisein von anderen Personen ist das freie, offene Gähnen jedoch eine Gratwanderung. Dazu haben sich ein Grossteil der Umfrageteilnehmenden freiwillig geäussert.

Newsletter vom 28. September 2019
von Susanne Wagner · Ausgabe Nr. 8 · 9 / 2019

Gähnen und Sinnlichkeit

Sinnlichkeit und die versteckte Erotik im Gähnen – dazu hat ein niederländischer Forscher Quellen aus Literatur und Kunst gesammelt. Kommt das Tabu in der Gesellschaft bezüglich Gähnen von daher? Welche Rolle spielen unsere Sinne beim Erleben von Gähnen und wie beeinflusst das sinnliche Erleben unsere «Sinnerfüllung» im Leben? Wie kann ich meine sieben Sinne im Gähnen erfahren und ihre einzigartigen Stärken entwickeln?

 

Gähnen und Sinnlichkeit: Wolter Seuntjens - On Yawning or The Hidden Sexuality of the Human Yawn.
Quelle: www.baillement.com

Gähnen und Sinnlichkeit: Zur Sexualität und erotischen Wirkung von Gähnen hat der niederländische Forscher Wolter Seuntjens seine Dissertation verfasst: «On Yawning or The Hidden Sexuality of the Human Yawn». Darin untersucht Seuntjens diverse Aspekte des Gähnens und kommt zum Schluss: Je genauer das triviale Verhalten des Gähnens untersucht wird, desto komplexer erscheint es. Denn nach wie vor wissen wir nicht, warum wir gähnen und wozu es dient. Seuntjes beleuchtet auch Aberglaube, Hygiene, Ästhetik und Psychologie bezüglich Gähnen um zu zeigen, weshalb das Gähnen ein fast universelles Tabu ist in unserer Gesellschaft.

Keine der Begründungen lässt Seuntjens gelten: Am ehesten könnte das Tabu den Ursprung im Vermeiden von «Zähnefletschen» haben. Provine (2014: S. 39ff.) spricht vom neurobiologischen Erbe, welches dem Gähnen, Niesen und dem sexuellen Höhepunkt, gemeinsam ist. Alle diese Akte streben zu einem Höhepunkt bei dem der Gesichtsausdruck zum Verwechseln ähnlich wirkt. Das Gähnen erreicht auf Provines Lustskala den Durchschnittswert von 8.5 (1 = sehr schlecht, 10 = sehr gut).

Einfach gähnen …

Manchmal ist ein Gähnen einfach ein Gähnen. (Auch wenn ein einfaches Gähnen überhaupt nicht einfach ist.)

Seuntjens untersucht die erotische Seite von Gähnen und sammelte dazu Quellen aus Literatur und Kunst. Ein Motiv kehrt ständig wieder: Gähnen und Dehnen (im stretch-yawn syndrome SYS) sind mit Verlangen und Sehnsucht verbunden. Gähnen kann also mehr als nur ein Sympathiebekenntnis sein! Im Ausdruck von Gähnen schwingt auch die genüssliche Langeweile und ein Verlangen mit. Seuntjens findet in allen Zeitaltern und Kulturen Belege, wie das Gähnen als latentes sexuelles Signal verwendet wird. Auch Studien mit Primaten kommen zum gleichen Resultat. Gähnen ist jedoch nicht immer erotisch motiviert: «There are times when a yawn is simply a yawn. (Even if a simple yawn is not simple at all.)» [Manchmal ist ein Gähnen einfach ein Gähnen. (Auch wenn ein einfaches Gähnen überhaupt nicht einfach ist.)] (vgl. Das erste Gesetz der Chasmologie)

Selbstfreundschaft mit allen Sinnen

Will ich mit mir befreundet sein, komme ich nicht umhin, mich mit meinem Körper zu befreunden.

Mein Interesse gilt weniger der sexuellen Motivation des Gähnaktes, sondern vor allem den Wurzeln der Sinnlichkeit – den Sinnen selbst und ihrem Aufblühen in der Wahrnehmung. Der Philosoph Wilhelm Schmid schreibt in «Selbstfreundschaft» darüber, wie das Leben leichter werden kann: Grundlage dafür sieht Schmid in einer echten und tiefen Freundschaft zu sich selbst (die er von Verliebtheit  oder Selbstliebe abgrenzt). Wie die Freundschaft zu sich gelingen kann, erläutert Schmid in 10 Punkten. Ich habe dieses Büchlein als Handbuch mit anleitendem Charakter zu Schmids philosophischer Darlegung «Mit sich selbst befreundet sein» (2004) gelesen. Das Gähnen hat das Potenzial, jederzeit als kleine Erinnerung ins Bewusstsein zu treten, wie die Selbstfreundschaft intensiviert und die Selbstfürsorge unterstützt und aufrecht erhalten werden kann.

Mit allen Sinnen (er)leben

Unser Körper, unsere Sinne und damit unsere Fähigkeit zur Sinnlichkeit – gibt uns die Möglichkeit des Erlebens, des Seins in Zeit und Raum. Selbst im Traum sind wir auf unsere sinnliche Wahrnehmung angewiesen! Der Körper mit seinem sinnlichen Gedächtnis speichert die Wahrnehmungen und die gemachten Erfahrungen. Das Körpergedächtnis, mein Erlebnis-Archiv, kann ein Zugang zu Stärken sein oder auch Verharren in Leid und Schmerz bedeuten. Mit seiner vierten Anregung zur Selbstfreundschaft, der Sinnlichkeit des Selbst, ermuntert Schmid auf dem Weg zur Selbstfreundschaft dazu, auf den eigenen Körper zu achten. So wird die Achtsamkeit «auf die Öffnungen und Sensoren des Körpers, durch die die Welt mal mehr, mal weniger lustvoll einströmt» gelenkt. (Schmid 2018: S. 52)

Sinnlichkeit: Orientierung und Lebensfreude

Die Erfahrung sinnlicher Fülle steht in direkter Relation zur Sinnerfülltheit des Lebens.

Unsere Sinne ermöglichen uns Orientierung und fördern die Lebensfreude. Schmid (2018: S. 52f.) formuliert die These, dass die Sinnlichkeit, die «Erfahrung sinnlicher Fülle in direkter Beziehung zur Sinnerfülltheit des Lebens steht.» Deshalb gehe es auf dem Weg zur Selbstfreundschaft darum, den Körper besser wahrzunehmen und die Sinnlichkeit zu intensivieren, d.h. Schmid empfiehlt eine «Kultivierung der Lüste». Schmid nennt Beispiele für die fünf allgemein bekannten Sinne – Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Tasten. Zwei weitere, für die in den Hirnstrukturen eine Referenz gefunden wurde von den Neurobiologen, kommen dazu: der Bewegungssinn und der Sinn des Spürens. Das Gähnen kann uns in allen diesen Sinnen zur Fähigkeit des Erlebens und ihrer Entwicklung dienen. Da es uns tagtäglich begegnet, ist das Gähnen der ideale Begleiter zur «Kultivierung der Lüste» auf dem Weg zur lebenserleichternden Selbstfreundschaft. (vgl. Newsletter zu Gähnen und Selbstwahrnehmung)

Tipp

Sinnlichkeit ist mehr als unsere fünf Sinne. Wie kann das Gähnen das Erleben mit allen Sinnen unterstützen? Sinnlichkeit und Achtsamkeit für mehr Lebensfreude: Verändert sich mein Erleben – ja mein Leben – wenn ich den Sinnen Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenke?

Nehmen Sie spontan auftretendes Gähnen zum Anlass, Ihre Sinne und Ihr sinnliches Erleben zu beobachten. Oder lassen Sie sich ein Gähnen zur Stärkung der Sinnlichkeit schenken: Tun Sie, was bei Ihnen persönlich Gähnen auslöst. Machen Sie eine Übung, von der Sie aus Erfahrung wissen, dass sie das Entstehen von Gähnen unterstützt. Lassen Sie sich von den Gähn-Tipps im Interview mit Brigitte Ulbrich, Stimmexpertin und Sprechcoach, inspirieren. Es kann auch helfen, ein Video zu schauen, z.B. wie Peter Cubasch das «sichere Gähnen» anleitet und den Trick des «So tun als ob» erklärt (vgl. Newsletter Gähnen und Entspannung):

Sehen

Wie sind nun meine Augen in ihren Höhlen gebettet? Sind meine Augen müde oder wach? Schwer oder leicht? Beweglich oder starr? Ist Augenwasser entstanden und wie nehme ich die befeuchteten Augen wahr? Wie schaue ich nun in die Welt? Ist mein Blick klarer geworden, zieht es den Blick zum Horizont, in ein Gesicht oder ins Grüne? Wohin möchte ich schauen und lasse ich es geschehen? Sind die Farben intensiver, ist die Dreidimensionalität klarer geworden? Habe ich beim Gähnen auch in mich hineingeschaut und mein Selbst in freundlicher Begegnung gesehen?

Hören

Wie nehme ich meine Gehörgänge wahr? Welche Geräusche sind beim Gähnen entstanden? Habe ich getönt? Wie war das für mich, lautstark zu gähnen und Resonanz bis in den Raum hinaus zu erleben? Habe ich beim Gähnen in mich hineingehört und meinem Selbst freundschaftlich gelauscht? Was möchte ich hören? Was erfreut mein Ohr? Welchen Klängen möchte ich lauschen, kann ich mir diese zur Verfügung stellen? Wie nehme ich nun das unermüdliche Rauschen der Welt um mich wahr? Was rauscht in mir? Habe ich Zugang zu Stille und wie erlebe ich sie?

Schmecken

Wie fühlt sich meine Zunge an, meine Mundhöhle und mein Rachenraum? Ist Weite und Raum entstanden durch das Gähnen? Kribbelt es? Wo liegt meine Zunge? Ist sie gelöst oder angespannt? Hat Gähnen für mich einen Geschmack?* Ist mir vom Gähnen «das Wasser im Mund» zusammengelaufen? Wie begegne ich mir selbst im Schmecken? Gönne ich mir etwas Schmackhaftes und kann es geniessen? Ernähre ich mich in Freundschaft zu meinem Körper?

Riechen

Wie nehme ich meine Nase wahr? Die Gänge in der Nasenmuschel, die Verbindung zum Rachenraum. Wie war das für mich, als die Luft beim Gähnen durch den Mund einströmte und wieder ausgestossen wurde? War die Nase daran auch beteiligt? Wie riecht die Welt für mich? Wie gut kann ich mich heute «riechen» und worüber rümpfe ich die Nase? Nehme ich vielleicht eine bestimmte Duftnote wahr, die das Gähnen zur Verfügung stellt? Welche Erinnerungen sind damit verknüpft?

Habe ich vielleicht «Nasengähnen» praktiziert und spüre nun im Rachenraum Anregung und Ansprache? Mehr zum Nasengähnen gibt es im nächsten Newsletter (28. Oktober 2019) zu lesen – die Teilnehmenden der Umfrage äussern sich dazu.

Tasten

Wie nehme ich nach dem Gähnen meine Haut und meine Körperoberfläche wahr? Hat sich vielleicht mein Gesicht gedehnt? Habe ich mich beim Gähnen berührt und zum Beispiel die Hände an den Nacken oder unter den Kiefer gelegt? Was habe ich unter den Händen gespürt? Wärme, Bewegung, …? Welche Textur spüre ich unter meinen Händen, den Stoff der Hose, des Ärmels – wie berühren die Fingerkuppen und wie tastet die ganze Hand?  Was spüren die Füsse? Die Zehenkuppen und die Fusssohlen sind sinnlich ebenso gut ausgerüstet wie die Hand, erlebe ich das im Kontakt zur Unterlage? Wie kann ich mich an mich selbst «herantasten» auf meinem Weg zu mehr Selbstfreundschaft und wie macht mir dies das Leben das leichter?

Bewegen

Bewegung, vor allem Dehnen, lockt das Gähnen. Habe ich das bei mir selbst erlebt? Nehme ich wahr, welche Bewegungsabläufe beim Gähnen aktiviert werden und ob ich sie frei geschehen lasse? Bewege ich mich im Alltag und lasse ich mich bewegen? Das Gähnen kann mich meinem Verhalten auf die Spur bringen, wenn es spontan auftritt, spüre ich nach und stelle mir diese beiden Fragen dazu. Haben meine Glieder dem Gähnreiz nachgegeben, konnte ich vielleicht das Gähnen bis in die Fingerspitzen und zu den Zehen geniessen? Bis unters Schädeldach und zu den Fusssohlen? Wie hat mich das Gähnen innerlich berührt? Wie fühlt sich mein Herz an, das durch den Zwerchfelltiefstand beim Gähn-Einatem mitbewegt wurde? Zum Bewegen und Bewegtwerden befrage ich auch meinen Atem. Den Atem, den ich geschehen lasse und erfahre in seinem Einströmen und Ausströmen und seiner Ruhe.

Sinnlichkeit: Innenwelt erleben

Das Erleben von Bewegen und Bewegtwerden läuft für mich auch unter Tiefensensibilität oder Propriozeption, also der Wahrnehmung von Körperlage und -bewegung im Raum sowie der Wahrnehmung von Organtätigkeiten. Im Grunde alles, was mir mein Selbst über meine Innenwelt und ihre Lage sowie ihren Aussenbezug zu erzählen vermag. Diese Form von Orientierung ermöglicht erst das Bewegen, den Bewegungssinn in Aktion. Sensoren in Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken reagieren auf Druck oder Dehnung und diese Signale sind für das Gehirn die «Entscheidungsgrundlage» für nötige Veränderungen. Darum müssen wir uns normalerweise nicht kümmern – es ist jedoch äusserst lehrreich und lohnend, sich damit zu beschäftigen.

Habe ich wahrgenommen, was sich innerlich bewegt beim Gähnen? Das deutliche Schwingen des Zwerchfells, das Weitwerden des Brustkorbs, das Öffnen des Kiefers und des Rachenraums zum Beispiel? Wie geht mein restlicher Innenraum mit diesen Bewegung mit? Kommt ein Echo aus dem Beckenboden, legen sich die Schulterblätter auf den Brustkorb nieder, schwingen die gedehnten Partien wieder zurück? Lasse ich es geschehen, vom Gähnen bewegt zu werden? Und wie bewegt es mich innerlich? Wie begegne ich meinem Selbst im Gähnen? Wie bewegend ist es für mich, mir selbst zu begegnen?

Spüren

Ist das Spüren der «siebte Sinn», das «Bauchgefühl»? Schmid (2018: S. 58f.) erklärt, dass dieser Sinn wertvolle Informationen über Innen- und Aussenwelt vermittle und besonders der Bauchraum mit Tausenden von Antennen ausgestattet, unzählige Informationen ans Gehirn weiterleite. Das Gehirn ist dann damit beschäftigt, diese Signale zu deuten, was dem gedanklichen Selbst oft nicht leicht fällt (vgl. Newsletter zu Gähnen und Gehirnnerven). Dieses Spüren bedeutet, wie es um die Sensibilität für meinen eigenen Körper steht. Oft wird «spüren» auch verwendet um die Wahrnehmung mit den bereits genannten Sinnen, vor allem dem Tastsinn, oder einer Kombination verschiedener Sinneswahrnehmungen auszudrücken. Ich spreche in beiden Fällen von Empfindung bzw. Körperempfindung. Was sagen Sie dazu?

Sinnlichkeit und Schmerzempfinden

Schmid (2018: S. 59f.) spricht in diesem Zusammenhang auch das Schmerzempfinden an: Schmerzen machen das Ich auf unseren Körper aufmerksam. Ihre Botschaft ist, sich mehr mit dem Körper zu befassen und sich auf das Leben zu besinnen. Auf das, was vielleicht falsch läuft. Schmerzen können einen Motivation sein, sich selber besser kennenlernen und die Freundschaft zu sich selbst zu pflegen. Grundlage dazu ist die Selbstfürsorge von Fuss bis Kopf und natürlich mit Herz, wo alle Sinne zusammenkommen.

Wenn ich gähne oder einem Gähnen nachspüre, wovon lasse ich mich leiten? Es können die fünf Sinne sein oder die Bewegung. Es kann aber auch das Körperspüren, die Empfindung sein, wie ich das Gähnen körperlich erlebt habe und wie es in mir nachschwingt. Dann kann ich mich fragen, wie ich mich dabei fühle: Ist/war das angenehm oder unangenehm? Welche Gefühle sind mit dem Gähnen vielleicht an die Oberfläche gespült worden? Sind es aktuelle Gefühle, die zur gegenwärtigen Situation passen, oder gehören die erlebten Gefühle eher in eine andere Zeit/Situation?

Mir selbst auf der Spur

Im Spüren steckt die Spur: welche Spuren verfolge ich? Bin ich in oder neben der/meiner Spur? Wovon entdecke ich Spuren bei meiner Innenschau? Bringt mich das Gähnen auf die Spur meines momentanen Bedürfnisses? Geht das Gähnen spurlos an mir vorüber? Welche Gefühle löst diese Begegnung mit mir selbst aus? Wie geht es mir heute auf dem Weg zu mehr Selbstfreundschaft und wie leicht fühlt sich das Leben an? Welchen Sinn regt bei mir das Gähnen vor allem an? Mit welchem Sinn beschäftige ich mich am liebsten/am leichtesten? Welcher Sinn bringt mir am meisten Erfüllung? Welchen Sinn habe ich in der Vergangenheit am deutlichsten kultiviert? Welchen Sinn möchte ich häufiger pflegen? Wie kann mich das Gähnen dabei unterstützen?

Der siebte Sinn?

Und der siebte Sinn, das Bauchhirn, hat noch ganz andere Dimensionen der Wahrnehmung: Ist das die Intuition, die mich in einer Situation mit Bestimmtheit leitet, was ich als Ahnung erfahre, losgelöst vom rationalen Denken? Im Gähnen kann es zum Beispiel das Erleben der Beziehungsatmosphäre sein, Sympathie und Mitgefühl mit unbekannten Zufallsbegegnungen. Auch der Humor und das Aufblühen der Lebensfreude kann darauf Nährboden finden. Ein Lächeln entsteht vielleicht …

Ist meine Achtsamkeit zum Erleben von Gähnen durch das aktive Kultivieren meiner Sinneswahrnehmungen geweckt worden? Ist vielleicht durch das Gähnen «mit allen Sinnen» auch mein Wahrnehmungsspektrum und damit meine Genussfähigkeit gewachsen? Bringt mich das Erleben solcher Sinnlichkeiten weiter auf meinem Weg zum leichteren Leben und zu mehr Selbstfreundschaft? Das Gähnen wird mit Empathie in Verbindung gebracht – kann mir das Gähnen Empathie zu mir selber ermöglichen? (vgl. Newsletter zu Gähnen und Empathie) Ich freue mich, von Ihnen zu hören, wie Sie das erleben. Schreiben Sie an Susanne Wagner oder verfassen Sie einen Kommentar (Formular am Ende der Seite).

Umfrage zum Gähnen

Teile der Umfrageresultate wurden im Rahmen der Abschlussarbeit am Ateminstitut Schweiz ausgewertet. Sie können das pdf der Arbeit downloaden (Zugang anfordern). Weitere Themen werde ich in den nächsten Monaten zugänglich machen. Als erstes kommt das «Nasengähnen» in die Auswertung.

Wagner, Susanne (2019): Von der gähnenden Leere zum lehrenden Gähnen: Förderung der Selbstwahrnehmung und Stärkung der Selbstregulation. Bern: Ateminstitut Schweiz.
Abstract: Das Multitalent Gähnen ist eine der ältesten Ressourcen des Organismus zur Homöostase. Es ist wie der Atem an der Schnittstelle von unbewusstem und bewusstem Verhalten und eignet sich in der komplementärtherapeutischen Arbeit zur Förderung der Selbstwahrnehmung und der Stärkung von Selbstregulation. Zwischenmenschlich ist das Gähnen ein hochansteckendes Resonanzphänomen: Allen geschieht es, alle sind sich einig: Gähnen ist wohltuend, aber unhöflich – körperliches Bedürfnis des Individuums und gesellschaftliche Konvention geraten in Widerstreit.
Zum persönlichen Erleben von Gähnen wurde eine online-Umfrage mit über 800 Teilnehmenden durchgeführt. Ausgewertet werden Fragen zum Erleben und Bewerten von eigenem und fremdem Gähnen sowie zum Umgang mit Gähnimpulsen. Die differenzierte Selbstwahrnehmung unterscheidet das wertfreie körperliche Spüren vom Fühlen, der inneren Bewertung des Erlebten. Die innere Bewertung kann die Wirkung von Stressoren auf den menschlichen Organismus verstärken oder dämpfen und damit Genesung hindern oder fördern. Es kann dem Wachstum des persönlichen Wohlbefindens dienen, die innere Bewertung als Schlüssel zu den eigenen Ressourcen und als Instrument zur Selbstregulation zu entdecken. Am Beispiel Gähnen wird gezeigt, wie der Mensch durch achtsames Wahrnehmen, Bewusstwerdung und Reflexion von Gähnen zu mehr Selbstwirksamkeit gelangen kann.

Vorschau

Der nächste Newsletter zum Gähnen erscheint am 28. Oktober 2019 zum Thema «Nasengähnen». Nicht vergessen: «Wenn Sie Ihr Gehirn in einem optimalen Gesundheitszustand halten wollen, ist es unbedingt erforderlich, dass Sie gähnen.» (Newberg, 2010, S. 214)

Der «Newsletter zum Gähnen» erscheint jeweils am 28. des Monats mit Themen rund ums Gähnen. Die Themen für 2019 waren inspiriert von Andrew Newbergs Liste «12 wichtige Gründe zu gähnen» in «Der Fingerabdruck Gottes».

 

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      * Ein ungeborenes Kind gähnt im Mutterleib ab der 11. Schwangerschaftswoche. Dabei nimmt es auch den Geschmack seines eigenen Fruchtwassers wahr, dies beeinflusst die späteren Geschmacksvorlieben.

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