GÄHNEN
Eiche im März 2019

Gähnen und Entspannung

Gähnen ist die Lösung! Jeden­falls für Ihre verspann­ten Muskeln ... Gähnen und Dehnen sind ein unschlag­ba­res Team zur Entspan­nung für Ihren ganzen Körper. Ist «Entspan­nung» dafür wirk­lich das tref­fende Wort? Warum ist dieser Zustand für uns so erstre­bens­wert? Die Umfrage zum Gähnen bestä­tigt die entspan­nende Wirkung von Gähnen auch im persön­li­chen Erle­ben.

News­let­ter vom 28. März 2019
von Susanne Wagner · Ausgabe Nr. 4 · 32019

Gähnen ist die Lösung!

Viel­leicht nicht unmit­tel­bar für alle Probleme und Heraus­for­de­run­gen in Ihrem Leben, aber sicher für Ihre verspann­ten Muskeln – und wer weiss … eine ange­spannte Situa­tion mit einem Gähnen aufzu­lo­ckern könnte einen Versuch wert sein. Jeden­falls ist Gähnen gesün­der, als die Zähne zusam­men­zu­beis­sen.

Entspannung – was ist das?

Entspan­nung nehmen wir vor allem wahr, wenn sich in unse­ren Muskeln Span­nungs­zu­stände verän­dern, weil sich Span­nun­gen lösen. Der Atem arbei­tet für uns in diesen Vorgän­gen: Der Körper braucht den Sauer­stoff, den wir einat­men, in der Zell­at­mung um die diver­sen Prozesse aufrecht­zu­er­hal­ten und zu steu­ern. Sauer­stoff ist ein wich­ti­ger Bestand­teil bei der Herstel­lung des körper­ei­ge­nen Ener­gie­spei­chers (ATP – Adenosin­tri­phos­phat) und nicht nur Grund­lage zur Muskel­ar­beit im Sinne von Anspan­nen, sondern vor allem auch verant­wort­lich dafür, dass die Muskel­fa­sern sich aus ihrer Span­nung wieder lösen können. Die Toten­starre beispiels­weise tritt ein, weil dem Körper kein Sauer­stoff mehr zuge­führt wird – die zuerst erschlaff­ten Muskeln und Muskel­fa­sern verkramp­fen und werden steif.

Das dynamische Gleichgewicht

Gewisse Muskeln sind immer ange­spannt, sonst wäre unsere aufrechte Haltung nicht stabil. Dieses dyna­mi­sche Gleich­ge­wicht lebt von der Grund­span­nung der Muskeln, die – wenn wir stehen oder sitzen – uns aufrecht «halten». Der Kopf eines erwach­se­nen Menschen ist ca. fünf Kilo­gramm schwer und balan­ciert auf der Wirbel­säule. Etwa 20 Muskeln sind daran betei­ligt, ihn zu «halten», obwohl oder gerade weil er sehr beweg­lich ist. Diese Muskeln befin­den sich in Hals, Nacken, Schul­tern und Rücken. (Parker 2015, S. 77). Perma­nent ange­spannte Muskeln können sich mit der Zeit verkür­zen, ihre Gegen­spie­ler werden in die Länge «gezwun­gen». Durch Fehl- oder Ausweich­hal­tun­gen geht das dyna­mi­sche Gleich­ge­wicht verlo­ren, welches ohne Kraft­ein­satz gehal­ten werden kann. Viele dieser Halte­mus­keln sind aber auch bei der Atmung betei­ligt und ihre Elas­ti­zi­tät im Span­nen und Lösen ist grund­le­gend wich­tig für eine freie Atmung mit unein­ge­schränk­ter Atem­be­we­gung.

Im Gleichgewicht zwischen Spannen und Lösen

Verspannt, über­spannt, unter­spannt, entspannt – wohl­ge­spannt – Welchem Zustand kommt Ihre Körper­emp­fin­dung am nächs­ten? Vor dem Gähnen, während des Dehnens und Gähnens, beim anschlies­sen­den Nach­spü­ren? «Wohl­ge­spannt» umschreibt den Zustand der gesun­den Grund­span­nung und ist oft nach einer erfah­re­nen Span­nungs­re­gu­la­tion in den Muskeln wahr­nehm­bar. Es wird auch von Euto­nus gespro­chen, der harmo­ni­schen Span­nung, der Wohl­span­nung. Ein wohl­ge­spann­ter Körper unter­stützt auch eine ausge­gli­che­ner Stim­mung und kann dazu beitra­gen, sich auch in hekti­schen Zeiten mit vielen Heraus­for­de­run­gen immer wieder ruhig und gelas­sen zu fühlen. Der Atem hilft dabei, indem Muskeln gelöst werden und weitere Regu­la­ti­ons­vor­gänge Anre­gung erfah­ren – ein Gähnen kann all dies bewir­ken!

jener gelöste Zustand, nach dem sich viele sehnen ...

«Entspan­nen» bedeu­tet für den Körper aber nicht nur, dass die Muskeln in einen wohl­ge­spann­ten Zustand kommen. Es werden Prozesse in Gang gesetzt, die uns Ruhe brin­gen und körper­li­che Rege­ne­ra­tion unter­stüt­zen: Der Para­sym­pa­thi­kus wird akti­viert, d.h. Puls, Herz­schlag und Blut­druck werden herun­ter­ge­fah­ren, die Verdau­ungs­pro­zesse unter­stützt und ange­regt, Repa­ra­tur­pro­zesse und damit die Immun­ab­wehr im Körper wird ange­regt, Stress­hor­mone können abge­baut werden, dafür werden z.B. Glücks­hor­mone ausge­schüt­tet. In diesem verän­der­ten körper­li­chen Zustand kann sich auch die Psyche rege­ne­rie­ren.

Lieber gähnen, als die Zähne zusammenbeissen

Zähne zusam­men­beis­sen erhöht die Anspan­nung im Kiefer­ge­lenk und in den vielen betei­lig­ten Muskeln. Das Gähnen hinge­gen dehnt das Kiefer­ge­lenk und belebt die Kopf- und Hals­mus­ku­la­tu­ren. Das Kiefer­ge­lenk hat beson­ders viel auszu­hal­ten und ist eines der «gestress­ten» Gelenke bei vielen Menschen. Chro­ni­sche Kiefer­ver­span­nun­gen und eine «verbis­sene» Lebens­hal­tung können sich durch Schmer­zen und z.B. nächt­li­ches Zähne­knir­schen äussern. Unsere Kaumus­keln können bis zu 80kg Gewicht ausüben und gehö­ren damit zu den stärks­ten Muskeln des mensch­li­chen Körpers. Ob Sie unter Kiefer­ver­span­nun­gen leiden, können Sie bei Dr. Helga Pohl (senso­mo­to­ri­sche Körper­the­ra­pie) online im Selbst­test fest­stel­len und von den online-Tipps und Anlei­tun­gen profi­tie­ren um Ihrem Unter­kie­fer die Ruhe­schwebe zu ermög­li­chen.

Die Ruhe­schwebe ist die natür­li­che Lage des Unter­kie­fers. Nach einem spon­ta­nen, freien Gähnen könnte sie sich von selbst einstel­len. Probie­ren Sie es aus und gönnen Sie Ihrem Unter­kie­fer Entspan­nung! Damit unter­stüt­zen Sie auch ihre Kopf­hal­tung, den freien Fluss Ihres Atems und lockern Ihre Stim­mung auf. Mit wohl­ge­spann­ten Kaumus­keln und der Kiefer­schwebe verbes­sern Sie nicht nur die Durch­blu­tung Ihres Kopfes, sondern lösen Sie auch im Rest des Körpers Muskeln, Sehnen und Gelenke. So kann «der ganze Mensch in jenen gelös­ten Zustand kommen, nach dem sich viele sehnen». (Cubasch 2016, S. 96 ff)

Tipps

Mehr Zeit für Entspan­nung – mit Dehnen und Gähnen! ... und viel­leicht Lachen.

Ich habe mir vorge­nom­men, mich in diesem News­let­ter kurz zu fassen. So bleibt Ihnen und auch mir mehr Zeit für Entspan­nung! Lehnen Sie sich zurück und warten Sie darauf, dass ein befrei­en­des Gähnen kommt, dabei dehnen Sie ihren Körper, räkeln Sie sich genüss­lich. Spüren Sie anschlies­send (viel­leicht mit einem tiefen Seuf­zer) nach, wie Sie nun körper­lich und geis­tig erfrischt und regu­liert den neuen Span­nungs- bzw. Entspan­nungs­zu­stand wahr­neh­men.

«Das Dehnen der Musku­la­tur regt über physio­lo­gi­sche Reflexe den Grund­to­nus an und hat zudem den zusätz­li­chen Vorteil, die Beweg­lich­keit der Gelenke zu fördern … Jedes natür­li­che Dehnen wird von Gähnen beglei­tet» (Brieg­hel-Müller 2014, S. 49). Die Anre­gung der Grund­span­nung bedeu­tet, dass über­mäs­sige Span­nun­gen in Muskeln gelöst werden können und unter­spannte Muskeln an Tonus gewin­nen. Weni­ger ist mehr! Lassen Sie Gähnen und Dehnen gesche­hen und Sie werden fest­stel­len, wie dies Ihr Wohl­be­fin­den posi­tiv unter­stützt.

Auch empfeh­lens­wert: Lachen – regt eben­falls die Durch­blu­tung der Muskeln an und hat posi­tive Auswir­kun­gen auf die Span­nungs­ver­hält­nisse (des eige­nen Muskel­ap­pa­rats).

Zebra arbeitet an Supermarktkasse und wird von Chef verwarnt: Wenn Sie das Strichcode-Lesegerät nochmals an Ihren Arsch halten, muss ich Sie entlassen. Zebra: Aber das piept doch immer so schön!einmal
aus: Sauer, Joscha (2003): Nicht­lus­tig. Hamburg: Carl­sen

Gähnen entspannt!

So sehen das auch die meis­ten der Perso­nen, die sich bis Mitte März an der Umfrage zum persön­li­chen Erle­ben von Gähnen betei­ligt haben. Sie haben am eige­nen Leib erfah­ren, wie ein freies Gähnen ihnen neues Wohl­be­fin­den schenkt: Fast 70% (n=310) der Teil­neh­men­den geben an, sich nach einem freien Gähnen entspannt (oder entspann­ter) wahr­zu­neh­men (n=452, Mehr­fach­aus­wahl). Gegen 30% (n=124) benut­zen den Ausdruck «wohl­ge­spannt».

Diagramm: entspannt-wohlgespannt

Die Anzahl der gülti­gen Frage­bo­gen nähert sich der 500er-Marke – bis im Sommer möchte ich diese Zahl noch verdop­peln! Wenn Sie also noch nicht teil­ge­nom­men haben, bitte füllen Sie meine Umfrage zum persön­li­chen Erle­ben von Gähnen noch heute aus! Geben Sie den Link an Ihre Fami­lie, Freunde, Bekannte und Verwandte, Arbeits­kol­le­gen und Nach­barn weiter – herz­li­chen Dank für Ihre Unter­stüt­zung!

Vorschau

Der nächste News­let­ter zum Gähnen erscheint am 28. April 2019 zum Thema «Gähnen und Kopf­ar­beit».

Der «News­let­ter zum Gähnen» erscheint jeweils am 28. des Monats mit Themen rund ums Gähnen. Die geplan­ten Themen für 2019 sind inspi­riert von Andrew Newbergs Liste «12 wich­tige Gründe zu gähnen» in «Der Finger­ab­druck Gottes».

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